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Die georgische Pianistiin Tamta Magradze bei Alsfeld Musik Art. Foto: WWL

 

Eindringliche Interpretationen

Eröffnung von Alsfeld Musik Art mit großem Konzertabend einer 24-jährigen Tasten-Exzellenz



ALSFELD - (WWL) Vom Wispern übers Rauschen bis zum Sturmgebraus, und das alles in höchster klanglich-anschlagstechnischer Delikatesse: die 24 Jahre junge georgische Pianistin Tamta Magradze zog die Alsfelder Zuhörerschaft schon durch ihre ersten Töne in Bann. Zunächst ließ sie den knapp 40-jährigen Joseph Haydn mit seiner f-Moll-Sonate vor dem Publikum als dramatisch zugreifenden ebenso wie filigran verspielten und „tirilierenden“ Tastenmusiker erstehen, der im Grenzbereich zwischen Cembalo und Hammerflügel sowie zwischen barock-galanter, empfindsamer und klassischer Schaffensweise Neuland zu erkunden sucht; dabei gelingt ihm, wie es der Konzertabend vermittelte, Domenico Scarlattis einsätzige Sonaten und Carl Philipp Emanuel Bachs Freie Fantasien im Hinterkopf, eine für die Sonaten-Historie wegweisende Synthese aus Italianitá und nord-mitteldeutscher Tradition.

Im kontrastreichen Anschluss demonstrierte Tamta Magradze sodann drei Seiten des Pianisten-Komponisten Sergej Rachmaninoff: in zwei Préludes den impressionistisch-klangmagisch im Gefolge Skrjabins und auf der Linie Liszt-Ravel sich bewegenden sowie den Romantiker von lyrischer Verträumtheit bis zu leidenschaftlichem Aufbäumen, und schließlich den hochvirtuosen Etüden-Verfasser, der die Klangsprache der Chopin- und Lisztschen Vorgänger-kompositionen schärft, ohne sie freilich zu revolutionieren oder wie die Vorgenannten damit Musikgeschichte zu schreiben. Weitab jeglicher Äußerlichkeit in der Virtuosität versteht es die derzeit in Weimar ein Masterstudium absolvierende Klavierkünstlerin, den Piècen Rachmaninoffs improvisatorische und satztechnische Qualitäten oder Raffinessen zu entlocken, die sonst hinter einer gleichsam gründerzeitlichen Fassade oftmals verborgen bleiben.

Mit Franz Liszt trat einer der beiden romantischen Schwerpunkte des Abendprogramms ins Rampenlicht. Zwei Werke wurden dargeboten, die beide in Facettenreichtum Liszts Idee einer Wiedervereinigung von Literatur und Musik exemplifizieren. Tamta Magradze gelang es, in gleichem Maße funkelnd wie detailreich reflektierend zum Sprechen zu bringen, was Liszt an literarischen Bezügen, hier zu Nikolaus Lenaus „Faust“ und zu Dantes ‚Göttlicher Komödie‘ in seine Klangstücke hochvirtuos „hineinkomponiert“ hatte: Mephistos und Fausts Exzesse oder den Widerstreit von Höllenpein und Liebesglut am Beispiel der Francesca da Rimini.

Nachdem sich mit den abschließenden Trillerpassagen des Lisztschen Mephisto-Walzers der erste Konzertteil auch im Spieltechnischen gerundet hatte, standen mit Robert Schumanns zweiter Klaviersonate und Liszts einsätziger Dante-Sonate zwei doch schon im Ansatz unterschiedliche Werke der deutschen Romantik auf dem Programm.

Die Sonate Opus 22 ist sicherlich eines der eher spröderen Werke des Erzromantikers Schumann, damit aber auch eine Herausforderung, der sich eine so hochkarätige Interpretin getrost stellen kann, um sie mit Bravour und glücklicher Hand bis in die einzelne Note hinein zu bestehen. Schwer zu sagen, ob man es bedauern sollte, dass Magradze sich für das auf Clara Wiecks Anraten später nachkomponierte und qua Veröffentlichung autorisierte Finale entschieden hatte, das gegenüber dem ursprünglichen Finalsatz ausdrucksschwächere. Denn sie vermochte auch dies Presto in ein würdiges Licht zu stellen. Indem ihre Interpretation das Drängende gegenüber dem Auftrumpfenden oder das in aller Unruhe Verhaltene gegenüber der Raserei betonte, konnte der Satz als nahezu zwingende Fortführung des innigen Andantino und des schelmisch-furiosen Scherzo erscheinen. Der langsame Satz aber bleibt und war auch in Magradzes Darbietung – als der am wenigsten „virtuose“ des Konzertabends – das Herzstück dieser Sonate, allein schon der Intensität wegen, mit der Schumann in C-Dur jenes fis zum ersten Melodieton macht, das spätestens seit des Komponisten erster Klaviersonate, in fis-Moll nämlich, Bekenntniston zur Geliebten Clara war. So spielte das Clara-Schumann-Jahr 2019 zumindest indirekt auch in diesen Konzertabend hinein. Als klug ausgewählt erwies sich, dass Magradze zwischen die Großwerke der zweiten Konzerthälfte ein im Zwischenbereich von Spätromantik und Impressionismus angesiedeltes Frühwerk Claude Debussys platzierte: seine „Ballade“ von 1890. Sie wirkte auch und gerade mit ihren Archaismen und Exotismen als Paradebeispiel erzählender Musik und vermittelte eine auf den finalen „Höllenritt“ aus Liszts Feder und Fantasie vorbereitende Ruhe. Dort stand dann die Spannung zwischen dem Infernalischen und der großen Liebes-Sehnsucht im Zentrum der interpretatorischen Aufmerksamkeit – und mit den Momenten des Fantasiehaften schloss sich bei aller stilistischen Distanz sogar ein Kreis zum Haydnschen Eröffnungs-Werk.

Die 31. Saison der Konzertreihe Alsfeld Musik Art, zu der am Beginn Annette Thon als Sprecherin des sie organisierenden Arbeitskreises mit Dank an alle Sponsoren, Unterstützer und Helfer begrüßte und einlud, hat in Gestalt dieses Klavierabends ein Eröffnungs-Feuerwerk gefunden. Die Fortführung der Konzertreihe erfolgt am Samstag, 23. November, mit Mozarts Requiem in der Alsfelder Dreifaltigkeitskirche.

 

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Das Programm der Konzertreihe Alsfeld Musik Art stellen (von links) Thomas Walter, Bürgermeister Stephan Paule, Christoph Kramer und Annette Thon vor. Foto: Krämer

 

Breite Palette an Konzerten

Arbeitskreis Alsfeld Musik Art stellt Programm für die Saison 2019/2020 vor / Regionale und prämierte Künstler auf der Bühne



ALSFELD - Jubiläum: Auf den Tag genau - am 1. Oktober 1989 - hatte der Arbeitskreis Musikfestival als "Vorgänger" von Alsfeld Musik Art (AMA) Premiere. Das erste Konzert des damals neugegründeten Arbeitskreises, der als musikfachliche Unterstützung für das Alsfelder Musikfestival wirkte, fand damals in der Stadthalle statt. "Das ist genau 30 Jahre her", stellte Annette Thon nun in dieser Woche bei der Vorstellung des Programms für die Saison 2019/2020 fest. Thon hatte 1991 die Leitung des später in AMA umbenannten Arbeitskreises von Christoph Kramer übernommen.

Weit mehr als 200 Konzerte hat AMA in den vergangenen 30 Jahren in der Stadthalle, im Museum und in der Aula des Albert-Schweitzer-Gymnasiums organisiert und veranstaltet. Jetzt präsentierte der Arbeitskreis die monatlichen Konzerte, die im Zeitraum von Oktober bis April stattfinden.

Bei den Programmvorstellungen immer dabei - die jeweiligen Bürgermeister. Für Bürgermeister Stephan Paule (CDU), der Musik selbst verbunden, ist AMA etwas Besonderes - und zwar deshalb, weil es dem Arbeitskreis immer wieder gelingt, Musiker von hoher Qualität über Klassik bis Jazz in Alsfeld auftreten zu lassen. Darunter sind auch Musiker, die nach ihren ersten Gastspielen an der Schwalm, zu musikalischen Preisträgern wurden.

TERMINE
. Konzert 1: Tamta Magradze, Klavier, am Samstag, 19. Oktober, um 20 Uhr in der neuen Aula der Albert-Schweitzer-Schule.
. Konzert 2: Mozart-Requiem mit dem Alsfelder Konzert-Chor am Samstag, 23. November, um 20 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche.
. Konzert 3: Jazz mit dem Olaf-Kordes-Trio am Samstag, 25. Januar, um 20 Uhr in der neuen Aula der Albert-Schweitzer-Schule.
. Konzert 4: Alexander Urvalov, Klavier, am Samstag, 15. Februar, um 20 Uhr in der neuen Aula der Albert-Schweitzer-Schule.
. Konzert 5: Kammerkonzert mit Musikern des HR-Sinfonieorchesters, am Samstag, 8. März, um 20 Uhr in der neuen Aula der Albert-Schweitzer-Schule.
. Konzert 6: Marmen-Quartett am Samstag, 26. April, um 20 Uhr in der neuen Aula der Albert-Schweitzer-Schule.

Auch in dieser Saison zeigt sich die Palette der Konzerte, die fast alle wieder in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule stattfinden, wieder breitgefächert. Die Konzertreihe beginnt am 19. Oktober um 20 Uhr mit einem Klavierkonzert von Tamta Magradze, einer Sonderpreisträgerin des 9. Internationalen Klavierwettbewerbes für junge Pianisten in Weimar. Im Programm fehlen nie die Alsfelder Beiträge. Und so weist bereits das zweite Konzert am Samstag, 23. November, einen lokalen Bezug auf. Der Alsfelder Konzertchor wird dann unter der Leitung von Thomas Walter das Mozart-Requiem in der Dreifaltigkeitskirche aufführen. Fester Bestandteil der Programmgestaltung war stets ein Jazz-Konzert. Hier wurde für dieses Jahr das Olaf-Kordes-Trio gewonnen, das sich bereits einen Namen in der Jazz-Szene gemacht hat, wie Christoph Kramer, der "Alsfelder Jazz-Erfinder", erläuterte. Mit Alexander Urvalov am Klavier und Musikern des HR-Sinfonieorchesters musizieren ebenfalls alte Bekannte in Alsfeld. Einen würdigen Abschluss der Konzert-Saison bildete das Marmen-Quartett, das in diesem Jahr zweiter Preisträger beim 8. Internationalen Kammermusikwettbewerb in Weimar wurde.

Die Eintrittspreise liegen unverändert bei 15 Euro je Konzert. Im Abonnement: 75 Euro. Karten sind im Vorverkauf im Buchladen "Lesenswert" am Marktplatz erhältlich.

30 Jahre Arbeitskreis Alsfeld Musik Art bedeutet nicht drei Jahrzehnte Konzerte in Alsfeld. Solche fanden bereits in den 1970er Jahren, nach der Einweihung des Regionalmuseums 1977, als Museumskonzerte statt. Ausrichter war damals der Geschichts- und Museumsverein Alsfeld. 1980 wurde daraus das Alsfelder Musikfestival geboren - initiiert durch die Alsfelder Kulturgemeinde unter Vorsitz von Konrad Rüssel. Träger des Musikfestivals war die Stadt Alsfeld; die künstlerische Leitung hatte Klaus Zoll - Sohn des bekannten Alsfelder Komponisten Paul Zoll. Das Alsfelder Musikfestival fand im zweijährigen Rhythmus statt. Zur Unterstützung der künstlerischen Leitung wurde bereits Mitte der 1980er Jahre ein Arbeitskreis Musikfestival durch den Magistrat eingesetzt.
Die Leitung wurde Christoph Kramer (ehemaliger Schulleiter der Gerhart-Hauptmann-Schule) übertragen. 1989 wurde Klaus Zoll von seiner künstlerischen Gesamtleitung des Alsfelder Musikfestivals entbunden; der Arbeitskreis Musikfestival pflegte eine enge Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk. 1990 trat erstmals beim Alsfelder Musikfestival das HR-Sinfonieorchester in der Stadthalle auf und war bis 2006 ununterbrochen beim Musikfestival maßgeblicher Bestandteil. Die Stadt Alsfeld zog sich im Rahmen der Haushaltskonsolidierungen aus der Trägerschaft zurück.

Aus dem Arbeitskreis Musikfestival wurde 2007 der Arbeitskreis Alsfeld Musik Art, der bis heute für Organisation und Durchführung der Konzertreihe eigenständig verantwortlich zeichnet. Unterstützt wird dieser durch zahlreiche Sponsoren.

Die Mitglieder der Arbeitskreise Musikfestival und Musik Art sind beziehungsweise waren: Christoph Kramer, Helmut Köhler (bereits verstorben), Dieter Müller, Wilfried Fink, Thomas Walter, Annette Thon. Dem Arbeitskreis Musikfestival gehörten auch Konrad Rüssel, Gerhard Launer und die ehemalige Kantorin Andrea Groß an.

 

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