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Das Mendelssohn Trio Berlin bei seinem Gastspeil in Alsfeld. Foto: (wwl)

Bogen von Wien nach Buenos Aires

Mitreißendes Abschlusskonzert der Jubiläums-Saison von Alsfeld Musik Art / Mendelssohn Trio Berlin präsentiert Musik aus zwei Welten



Alsfeld (wwl):
Schwer zu entscheiden schien es während des Konzertes, in welcher von zwei musikalischen Welten die Musikerin und die beiden Musiker des Mendelssohn Trio Berlin, allemal gut aufeinander eingestimmt, sich mehr in ihrem Element fühlten: bei den zwei hochartifiziellen Klaviertrios von Beethoven und Haydn, während der ersten Halbzeit oder bei dem vollen Dutzend anspruchsvoller Tango-Nuevo-Stücke von Astor Piazzolla und José Bragato nach der Pause. Später, im Gespräch mit den Trio-Künstlern, wurde klar: Es gibt bei ihnen keine zwei Seelen in der Brust, vielmehr das sichere Empfinden, jeweils gute Musik in unterschiedlichen Spielarten darzubieten, gemäß dem Leitspruch des Cellisten: "Klassik ist meine Liebe – Flamenco meine Leidenschaft". Uta Klöber, Violine, Rámon Jaffé, Violoncello, und Andreas Frölich, Klavier, bescherten damit der 30. Saison der so erfolgreichen Konzertreihe Alsfeld Musik Art ein wirkungsvolles Finale.
Mit der Gegenüberstellung von Haydns spätem Es-Dur-Trio, seinem wohl zuletzt entstandenen, und Beethovens frühem B-Dur-Werk, dem so genannten „Gassenhauer-Trio“, vermochte die renommierte Formation die unterschiedlichen Ansätze ebenso wie den gemeinsamen Nährboden der beiden experimentierfreudigen Komponisten erfahrbar zu machen. Der mehr als eine Generation jüngere Beethoven, für einige Zeit auch Haydns Schüler, setzt auf Gleichberechtigung und Dialogisieren der drei Instrumente Violine, Violoncello und Klavier, während bei Haydn, nahezu zeitgleich, die zwei Melodieinstrumente zumeist auf den Klaviersatz als kompositorischen Kern bezogen bleiben.
Beide Werke wurden als exemplarische Trio-Kompositionen der Wiener Klassik meisterlich vermittelt, mit phasenweise betont vibratoarmem Streicherklang und einer dem Hammerflügel-Timbre sich annähernden Spielweise am Steinway-Flügel. Drei Ausdruckshaltungen kennzeichneten in angemessener Weise die Interpretation des vergleichsweise gefälligen Beethovenschen Gattungsbeitrages: hoch expressiv, von dynamischer Spannung durchdrungen im ersten Satz, schlicht singend im zweiten und spielerisch bis virtuos reflektierend im Variationen-Finale; hier unterstrichen die drei Musiker tendenziell eher das Graziöse gegenüber den derben Momenten, und die Geigerin schien (mitunter fast etwas zu weit zurückgenommen) immer wieder dessen eingedenk zu sein, dass ihre Instrumentalstimme von Beethoven ursprünglich für Klarinette vorgesehen war.
Der zweite Teil des Konzertes galt dem Œuvre des argentinischen Tango-Großmeisters und Bandoneon-Spielers Astor Piazzolla, der von 1921 bis 1992 lebte. Für kleinere Irritationen im Publikum sorgte dabei, wiewohl angesagt, eine weitreichende Umstellung der Werk-Folge gegenüber der im gedruckten Programm verzeichneten. Hier zum nachträglichen Mitschreiben die genaue, dramaturgisch durchaus sinnvolle neue Stücke-Reihung: Adiós Nonino (Abschied vom Großvater, Klavier solo), Sommer aus den ‚4 Jahreszeiten‘, Graciela y Buenos Aires (Liebes-Bekenntnis des Piazzolla-Weggefährten José Bragato an eine Schülerin, für Cello und Klavier), Winter, Chiquillín de Bacchín (Klavier solo, auf ein Gedicht von Horacio Ferrer zum Thema Kinderarmut in Lateinamerika), Milonga del Angel und Milonga en Ay menor (beide ebenfalls Klavier solo: Liebes-Tanzlied an die Ehefrau und Seufzer-Tanz), Frühling, Tanti anni prima (Violine und Klavier, auch als „Ave Maria“ geläufig), schließlich Herbst. Legitimiert erschien die Umstellung unter anderem dadurch, dass Piazzolla seine vier Jahreszeiten-Kompositionen nicht (wie Antonio Vivaldi die seinen) als Zyklus konzipiert hatte.
Zu den Gestaltungselementen dieser argentinischen, europäisch und US-amerikanisch beeinflussten Musik gehören auch solche, die in klassischen Konzerten sonst eher selten auftreten: wie Kratzgeräusche, rein perkussive Einschübe und Passagen, Glissandi, tonliche Unschärfen oder „Dirty intonation“. Sicht- und hörbar war die Freude, mit der die drei Solisten auf der Bühne in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule auch als Grenzgänger zwischen „E“ und „U“, zwischen Konzertsaal, Kneipe und Tanzboden brillierten. Mit einigem Recht übrigens lassen sich all diese Stücke, teils mit Anleihen bei der klassischen Moderne, teils mit dezenter Swing-Anmutung, als Liebeserklärungen verstehen, sei es an Personen, sei’s an die Stadt Buenos Aires, oder sei es an den Tango in seiner enormen Mannigfaltigkeit. Dabei suchen sie auf ganze andere Weise als die Komponisten der Wiener Klassik, aber mit ähnlicher Intention, das Anspruchsvolle mit dem Allgemeinverständlichen zu verbinden.
Als Zugabe seines furiosen Konzertes kredenzte das Mendelssohn Trio Berlin dem dankbaren Publikum mit „Oblivion“ noch eins der bekanntesten, eingängigsten und anrührendsten Stücke von Astor Piazzolla.

 

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Die Band Echoes of Swing begeisterte bei Alsfeld Musik Art. Foto: (mgg)

Erfrischend und intensiv

Die Band Echoes of Swing begeisterte bei Alsfeld Musik Art



Alsfeld (mgg): Man kann auch schönen neuen Jazz machen, der Melodien hat und der nicht mit aller Gewalt das Erbe von Swing und New-Orleans-Jazz hinter sich lässt. Die Band Echoes of Swing hat damit seit zwei Jahrzehnten großen Erfolg. In der Konzertreihe „Alsfeld Musik Art“ sorgte das Quartett für einen weiteren Höhepunkt.

Die Besucher in der fast vollbesetzten neuen Aula der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule spendeten am Ende zu Recht Beifall im Stehen. Mit dem Trompeter und Sänger Colin T. Dawson, dem Altsaxophonisten Chris Hopkins, dem Pianisten Bernd Lhotzky und dem Schlagzeuger Oliver Mewes sind vor zwanzig Jahren vier Musiker aufeinandergetroffen, die einander blind verstehen und entsprechend feine Musik miteinander machen.

Colin T. Dawson hat einen wunderschönen Trompetenton, weich, warm und strahlend zugleich. Immer sind seine Melodien sehr klar nachvollziehbar – unter anderem dadurch, dass schnelle Läufe meist nur als Verzierungen zwischen Phrasen und Motiven auftauchen. Chris Hopkins ist ebenfalls ein sagenhafter Melodiker, der niemals zu viele Noten spielt. Dabei sorgt er mit seinem Altsaxophon für deutlich andere Klangfarben als Dawson. Beide Bläser ergänzen einander als Melodiker hervorragend. Das war in Alsfeld ein Erlebnis.

Es gibt so eine bestimmte Art, filigran und elegant Klavier zu spielen und mit wenigen Noten große Wirkungen zu erzielen. Bernd Lhotzky ist ein Meister darin. Das machte seine Soli genauso eingängig wie die Daswons und Hopkins'. Als Begleiter spielte er in Alsfeld so zurückhaltend, dass er eher dann aufgefallen wäre, wenn er plötzlich aufgehört hätte zu spielen. Er schuf beim Begleiten einen kreativen Raum für die anderen Solisten, statt selbst in Erscheinung zu treten. Dadurch wurden die Arrangements nie sehr voll, und die einzelnen Elemente konnten wunderbar wirken. Mit den gleichen Vorzügen seines Spiels hat Lhotzky auch ein wunderschönes Album mit dem legendären Schlagzeuger Trevor Richards aufgenommen, der sich in Alsfeld im Publikum befand.

Auch Oliver Mewes begeisterte durch seinen Minimalismus. Er begleitete die anderen Bandmitglieder mit vielfältigen, aber stets klaren Figuren, sorgte für das richtige lockere Swinggefühl. Daran konnten sich die Konzertbesucher genauso entspannt zurücklehnen wie die Musiker. Auch bei seinen Soli setzte Mewes auf Klarheit und Swing.

Das waren die bestens aufeinander abgestimmten Zutaten eines intensiven musikalischen Erlebnisses. Zu ihm gehörten Klassiker aus dem Great American Songbook, beispielsweise von Fats Waller oder Jerome Kern. Wunderschön waren auch zwei Duo-Einlagen. Eine davon spielte Bernd Lhotzky zusammen mit Oliver Mewes, die andere kam von Lhotzky und Chris Hopkins. Mit „Blame It On My Youth“ erinnerten der Pianist und der Saxophonist an den 100. Geburtstag Nat King Coles, wobei das Saxophon besonders singend klang.

Zu den Höhepunkten gehörten ein Satz aus einer Triosonate von Johann Sebastian Bach und das Lied „Wohin“ aus Franz Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“. Für manch einen Puristen mag diese Auswahl von Stücken eine Besonderheit sein.

Aber eigentlich ist es ein Bestandteil der Jazztradition, über alles zu improvisieren, was man gerne mag – egal, woher es kommt. Mit ihrer überaus witzigen Moderation rundeten die Musiker das phantastische Konzert ab. Dass die Echoes of Swing wieder nach Alsfeld kommen, ist nicht nur der Wunsch der Band. Solche ebenso intensive wie erfrischende Musik braucht man einfach immer wieder.

 

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Nadine Blumenstein, Ulrike Mäding-Lemmerich, Jochen Tschabrun, Sophie Groote und Barbara Petit (von links)
gastierten in der Konzertreihe „Alsfeld Musik Art“.  Foto: (mgg)

Witziges und Nachdenkliches

Musiker des hr-Sinfonieorchesters gaben Kammerkonzert bei „Alsfeld Musik Art“



Alsfeld (mgg). Eine Klarinette und ein paar Streichinstrumente können zusammen wunderbar und farbenreich klingen. Das wurde deutlich bei einem Kammerkonzert von Musikern des hr-Sinfonieorchesters in der Veranstaltungsreihe „Alsfeld Musik Art“.

Jochen Tschabrun (Klarinette), Nadine Blumenstein (erste Violine), Ulrike Mäding-Lemmerich (zweite Violine), Sophie Groote (Viola) und Barbara Petit (Violoncello).

Sophie Groote war für Wolfgang Tluck eingesprungen, wobei sie sich bestens ins Ensemble einfügte.

Mit Heinrich Joseph Baermanns Adagio für Klarinette und Streicher hatte das Ensemble ein sanftes und stimmungsvolles Eröffnungsstück gewählt, bei dem man als Zuhörer in Ruhe im Konzert ankommen konnte.

An vielen Stellen ist Carl Maria von Webers Klarinettenquintett in B-Dur unglaublich witzig. Das ist eine sehr erfrischende Musik mit tollen Dialogen zwischen Klarinette und Streichern. Besonders Jochen Tschabrun begeisterte hier mit musikalischem Humor, verbunden mit einer unglaublichen Eleganz. Die Kommunikation zwischen ihm und den Streichern funktionierte sehr gut, die Komposition kam gut zur Geltung.

Der Streicherklang war schön groß, hätte aber sicher von einer anderen Aufstellung profitiert. Jochen Tschabrun saß mit seiner Klarinette in der Mitte. Links von ihm (vom Publikum aus gesehen) saßen die beiden Geigen. Rechts neben ihm war die Bratsche platziert, rechts außen das Cello.

Schöner klingt es mit dem Cello als klangliches Fundament in der Mitte und mit der Klarinette rechts außen. Das ergibt ein schönes Stereo zwischen Klarinette und Geigen. Das tiefste Instrument ist ganz am Rand nie gut aufgehoben.

Nach der Pause folgte ein Kontrastprogramm mit deutlich nachdenklicherer Musik. Das Klarinettenquintett in h-Moll op. 115 von Johannes Brahms gilt als eines der besten Werke des Komponisten. Brahms hatte sich mit 58 Jahren als Komponist bereits in den Ruhestand versetzt, als er den Klarinettisten Richard Mühlfeld hörte.

Da fing er doch wieder an zu schreiben – und fertigte für Mühlfeld gleich mehrere Kammermusikwerke in unterschiedlichen Besetzungen. Das h-Moll-Quintett ist eines davon.

Das ist nicht mehr dieser elektrisch geladene Brahms früherer Jahre, sondern die Musik ist im Spätwerk deutlich mehr in sich gekehrt. Es gehört etwas dazu, Werke wie dieses beim Spielen nicht zu sperrig wirken zu lassen.

Dem Klarinettenquintett des hr-Sinfonieorchesters gelang das, wofür es zu Recht großen und herzlichen Beifall bekam. Sicher hätte das begeisterte Publikum gerne noch eine Zugabe gehört – doch die kam nicht. Schade.

 

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Barbare Tataradze schenkte Alsfeld Musik Art ein grandioses Konzert zur Eröffnung der 30. Saison. Foto: (Stefan)

Wunderschönes Geburtstagsgeschenk

Pianistin Barbare Tataradze eröffnete die 30. Spielzeit  von  "Alsfeld Musik Art"



Alsfeld (mgg). Barbare Tataradze kann man an ihrem Klavierton erkennen. Das ist heute unter jungen Pianisten nicht selbstverständlich. Der Konzertreihe „Alsfeld Musik Art“ machte sie damit ein ausgesprochen schönes Geschenk zum 30. Geburtstag. Wie sie Prokofiew und Ravel interpretierte, gefiel dabei besonders. Von den Besuchern in der neuen Aula der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule bekam sie zu Recht großen Applaus und Jubelrufe.

Mit der Sonate Nr. 26 Es-Dur op. 81a von Ludwig van Beethoven eröffnete Barbare Tataradze ihr Programm. Von der ersten Sekunde an fiel ihr unglaublich transparenter Ton auf. Er war sehr hell, ohne dabei auch nur ein einziges Mal schneidend zu sein. In allen Lagen war er sehr filigran, jede Stimme kam gut durch, der Gesamtklang war sehr luftig. Fett war der Klang nicht – aber eben auch nicht dünn.

Diese Klarheit war im gesamten dynamischen Spektrum da, wobei auch angenehm auffiel, dass Barbare Tataradze Leises wirklich leise spielte und deshalb für Steigerungen genug Luft nach oben hatte. Auch das ist bei heutigen Interpreten nicht mehr selbstverständlich.

Wer Beethoven wegen des Aufbaus und des Entladens von Spannung gerne hört, der bekommt davon bei anderen Interpreten mehr als an diesem Abend bei Barbare Tataradze. In sich stimmte die Interpretation aber. Die Melodien kamen gut zum Tragen und waren gut aufeinander abgestimmt. Von Frédéric Chopin spielte die Pianistin die Ballade Nr. 4 in f-Moll op. 52. Über die starken Temposchwankungen, mit denen Barbare Tataradze diese Komposition spielte, kann man unterschiedlicher Meinung sein – aber immerhin hatte ihre Interpretation nicht die Schwere, mit der einem heute viele Hochgeschwindigkeitskünstler Chopin vergällen.

Bei Franz Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 6 zahlte es sich ebenfalls aus, dass Barbare Tataradze nicht einfach nur auf knallige Effekte setzte. Das Virtuose der Komposition stellte sie nicht in den Vordergrund – aber gerade dadurch und durch ihre transparente Tongebung kam es ganz besonders gut zur Geltung.

Die beiden Höhepunkte des Konzerts waren allerdings die beiden Programmpunkte nach der Pause. Bei Sergej Prokofjews Sonate Nr. 2 d-Moll op. 14 war alles da: Spannung und Entspannung, Explosionen und Ruhe, organisch wirkende Übergänge – und viele Überraschungen. Das war die Interpretation einer Musikerin, die innerlich mitsang und ganz in der Komposition aufging.

Nicht anders war das bei Maurice Ravels „La Valse“. Wie der Titel verspricht, dreht sich in diesem Werk von 1920 alles um den Walzer. Zum einen zeigt Ravel diesen vor dem Ersten Weltkrieg so wichtigen Tanz als etwas Schönes, zum anderen aber dekonstruiert er ihn nach dem großen Zusammenbruch auch. Wie Barbare Tataradze beides unter einen Hut brachte, war absolut verblüffend. Dramaturgie und Atmosphäre waren richtig stark. Mit zwei Zugaben (von Schumann und Liszt) bedankte sich Barbare Tataradze für den Applaus.

 

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Die Vorsitzende des "Musik Art-Arbeitskreises, Annette Thon, mit ihrem Amtsvorgänger Christoph Kramer, der sich
nach wie vor für die Konzertreihe engagiert. Foto: (mgg)

Seit drei Jahrzehnten ein großer Erfolg

Konzertreihe "Alsfeld Musik Art" geht in die 30. Spielzeit - Ein Rückblick



Alsfeld (mgg). Nicht nur die wunderbare Musik prägt die Konzertreihe „Alsfeld Musik Art“, sondern auch die freundliche und entspannte Atmosphäre in den Konzerten. Nun feiert die Reihe einen runden Geburtstag und geht in ihre 30. Saison. Seit die Reihe ihr erstes Vierteljahrhundert gefeiert hat, haben sich die Besucherzahlen weiter verbessert, und es hat weitere besondere Höhepunkte gegeben. Außerdem feiert der Förderverein der Reihe seinen zehnten Geburtstag.

Der Arbeitskreis „Alsfeld Musik Art“ mit seiner Vorsitzenden Annette Thon setzt auch weiterhin auf den folgendes Konzept für jede Spielzeit: ein bis zwei Konzerte mit international bekannten Ensembles, ein Abend mit jungen Musikern am Beginn ihrer Laufbahn, ein Crossover- oder Jazzkonzert und ein lokaler Beitrag.

In den Konzerten mit jungen Musikern werden zumeist Preisträger eines der folgenden Wettbewerbe präsentiert: des Franz-Liszt-Wettbewerbs (Klavier), des Louis-Spohr-Wettbewerbs (Geige) und des Joseph-Joachim-Wettbewerbs (Ensembles). Die Kontakte von Arbeitskreis-Mitglied Dieter Müller zur Weimarer Musikhochschule spielen dabei eine entscheidende Rolle.

„Das ist der grundsätzliche Aufbau unserer Reihe, das hat sich wirklich bewährt“, erläutert Annette Thon. Die Jazzkonzerte sind oft besonders gut besucht, denn neben den Freunden klassischer Musik, die sonst zu „Alsfeld Musik Art“ kommen, gehen auch gerne Freunde des Grünberger Jazzclubs an diesen Abenden in die neue Aula der Albert-Schweitzer-Schule. Jazzkonzerte gibt es bereits seit 1986 in Alsfeld. „Wir haben immer Wert auf melodischen Jazz gelegt“, so Kramer.

Aber auch sonst können die Organisatoren mit den Besucherzahlen mehr als zufrieden sein. „Das ist so ein gesellschaftliches Ereignis geworden. Man trifft sich, man trinkt ein Sektchen in der Pause. Das ist bei uns persönlich“, sagt Annette Thon. „Das ist ganz wichtig: das gesellschaftliche Miteinander“, fügt Thons Amtsvorgänger Christoph Kramer hinzu.

Die beiden erwähnen auch die große Nähe zwischen Künstlern und Publikum. „So ganz nette Freundschaften entstehen da mit der Zeit – auch zu den internationalen Ensembles“, so Kramer. Stolz ist der frühere Arbeitskreis-Vorsitzende darauf, dass er permanent Künstler, die schon bei „Musik Art“ aufgetreten sind, in überregionalen Konzertprogrammen findet. Als Beispiel nennt er unter anderem die Alte Oper in Frankfurt. „Das verleiht einem doch ein wamres Gefühl, dass wir dort immer wieder Künstler finden, die die Menschen hier berührt haben“, so Kramer.

Besonders berührt haben seit dem Jubiläum vor fünf Jahren zum Beispiel der Bariton-Sänger Andrè Schuen und der Pianist Daniel Heide. Als die beiden Musiker im Februar 2016 mit seltener Intensität Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ aufführten, waren viele Besucher im Kampf gegen die Tränen chancenlos. Auch Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen, zum Saisonstart 2017 von Elena Metelskaya gespielt, werden lange in Erinnerung bleiben. In derselben Saison sorgte Jazzsängerin Brenda Boykin mit dem Jan Luley Trio für einen Höhepunkt. Gerne erinnern sich Christoph Kramer und Annette Thon an einige Programmpunkte der 25. Saison, etwa mit dem Cecilia String Quartet. Die beiden nennen noch viele weitere Künstler der letzten Jahre, die ihnen besonders gut gefallen haben.

Was auch immer wieder gut bei den Konzertbesuchern ankommt, sind Konzerte mit Musik des 20. Jahrhunderts. „Wir haben gerne mal etwas Modernes. Davor haben wir keine Angst – und unser Publikum auch nicht mehr“, sagt Annette Thon. Auf Kompositionen, die sich außerhalb der vertrauten melodischen und harmonischen Bahnen bewegen, hat sich das Publikum in den letzten Jahren gerne eingelassen.

Der Arbeitskreis verfügt laut Thon und Kramer über viele Kontakte, so dass er viele Künstler direkt ansprechen kann. Viele der Musiker kommen auf Empfehlung von Kollegen, die schon vorher bei „Alsfeld Musik Art“ gespielt haben. Seit der Gründung der Reihe ist das musikalische Angebot in der Region deutlich gewachsen. „Wir müssen uns schon ganz schön behaupten – aber das gelingt uns ganz gut“, findet Christoph Kramer.